Gerhard Ruster

Ich arbeite seit 17 Jahren in eigener Praxis in Saarbrücken
und gebe seit mehr als 10 Jahren Kurse. Vor meiner Praxistätigkeit hatte ich eine Töpferei. Meinen ersten Ton habe ich selbst gegraben und wie viele Töpfer habe ich auch meine Glasuren selbst entwickelt. Meine Töpferscheibe habe ich selbst zusammengeschweißt und mir einen eigenen Brennofen gebaut, genau so wie ich ihn brauchte. Ich bin gewohnt, mir meine Werkzeuge selbst zu konstruieren, weil es für meinen speziellen Zweck oft nichts Geeignetes gibt.
Im Anfang meiner Praxis arbeitete ich zunächst mit Büchern und selbst erstellten Lochkarten. Der Computer war mir zu fremd und bis heute bin ich nicht entschieden, ob er eine wirkliche Hilfe darstellt oder doch mehr für Ablenkung vom Eigentlichen sorgt.
Das Sesamprojekt habe ich mit in einem Arbeitskreis initiiert vor mehr als 8 Jahren. Wir haben zunächst damit begonnen, die Originalveröffentlichungen alter Prüfungen in Bibliotheken aufzustöbern, da sie am ehesten den Geist einer Prüfung wiedergeben. Mit einem einfachsten Suchprogramm konnte sich dann jeder diese Inhalte schon besser zugänglich machen.
In dieser Zeit haben wir auch viele Prüfungen neuer Arzneien angstrengt und die Ergebnisse ebenfalls für uns so zugänglich gemacht. Dies war mit ein Hauptgrund, ein eigenes System zu entwickeln, denn die üblichen Software Hersteller für Homöopathen konnten unsere Prüfungsergebnisse nicht so übernehmen, wie wir das für die tägliche Praxis brauchten.
Sucht man ein Similimum für einen Patienten, so muss der Geist einer Arznei dem Geiste der Erkrankung des Patienten entsprechen. Der Geist der Arznei ist zum Beispiel fassbar mit einer Arzneiprüfung am Gesunden. Der Geist der Erkrankung drückt sich aus in den "nämlichen Worten des Patienten" während der Anamnese. Die Aufgabe von uns Homöopathen sehe ich darin, die Ähnlichkeit dieser beiden Geister zu erkennen und den einen mit dem anderen zu vertreiben.
Um das zu bewerkstelligen, haben sich als Hilfmittel die Repertorien entwickelt, dass diese nur grobe Werkzeuge sind, versteht sich von selbst. Doch sind diese Hilfsmittel zuweilen zu einer Art Bibel geworden, weil die Arzneimittellehre eine solche Dimension angenommen hat. Bei den Repertorien geht im Praxisalltag die direkte Verknüpfung mit den Quellen verloren. Das änderte sich nicht wirklich durch die Benutzung des Computers.
Deshalb sah ich mich veranlasst, ein neues Werkzeug zu konstruieren, welche mich bei der täglichen Praxisarbeit immer wieder zu den Quellen führt. So entstand SESAM. In SESAM lese ich täglich in den Prüfungen, während ich Arzneien für meine Patienten suche und entdecke unsere Materia Medica immer wieder neu.
Bei der Konstruktion des neuen Werkzeuges gab es anfangs viele Hindernisse. Wir hatten zuerst einen Programmierer beauftragt. Der konnte sich aber nicht wirklich vorstellen, was wir brauchten und ich wußte nicht, was ein Programmierer kann. Letztendlich war das Ergebnis dieser Bemühungen nicht so fruchtbar. Deshalb entschloss ich mich, mir die Fähigkeit des Programmierens selbst anzueignen, damit ich mein Spezialwerkzeug genau so bauen konnte, wie ich es brauche. Anfangs war diese Angelegenheit sehr mühselig, doch mit der mit Zeit um so fruchtbarer.
In diesem Prozess haben sich für mich neue Dimensionen der Homöopathie eröffnet und was dabei bisher harausgekommen ist, heißt SESAM. Ich benutze dieses Programm täglich seit vielen Jahren in meiner Praxis zum Wohl meiner Patienten.
Bisherige Veröffentlichungen:
Seminarreihen fanden bisher statt in Berlin, Stuttgart, Hamburg, Saarbrücken und Wien.
Evelyn Feltes
Ich habe seit Ende 1996 eine homöopathische Praxis. An dem Sesam Projekt arbeite ich von Anfang an mit. Hierbei habe ich mich hauptsächlich um den Aufbau der Datenbank gekümmert, unter anderem Teile aus Allens Enzyklopädie übersetzt. Des Weiteren habe ich auch gemeinsam mit meinem Kollegen Otmar Neuhöfer viele Ausarbeitungen von neueren Prüfungen sowie eigene Prüfungen durchgeführt, wie z. B. Citrus limonis, Coelogyne pandurata, Dionaea muscipula, Nepenthes distillatoria und Prüfungen von verschiedenen Schmetterlingen, die demnächst veröffentlicht werden: Polyommatus icarus (Hauhechel-Bläuling), Acherontia atropos (Totenkopfschwärmer), Papilio machaon (Schwalbenschwanz).
Neben meiner Praxistätigkeit kümmere ich mich bei Sesam um alles Organisatorische, wie Testversionen verschicken, Bestellungen als auch Reklamationen bearbeiten usw.
Martin Zipf
Ich arbeite seit 15 Jahren als Homöopath. Es ist schwer ein guter Homöopath zu werden. Schwer, nur annähernd ähnliches bewirken zu können wie unsere homöopathischen Vorfahren Bönninghausen, Lippe, Guernsey, Kent, Elisabeth Wright-Hubbard, Pierre Schmidt, um nur ein paar zu nennen.
Die Homöopathie hat sich weiter entwickelt, weil sich das Bewußtsein der Menschheit weiter entwickelt hat. Zu Recht, und doch läuft sie Gefahr ihre Wurzeln zu verlieren, die ihr Sicherheit geben.
Es hat sich in meinem Leben einfach so ergeben, dass mein Interesse für die homöopathische Literatur letztlich in meiner Mitarbeit an Sesam gemündet ist.
Den Pfirsisch kennt man nicht so wirklich in der Homöopathie. Anshutz schildert in seinem Buch "New, old and forgotten remedies" die Erfahrung eines Arztes, der bald verzweifelte, weil eine Patientin unter solch schrecklichem Schwangerschafterbrechen litt, dass entweder das Kind abgetrieben werden oder sie ihr Leben lassen musste. Eine Nachbarin wies ihn auf die Pfirsischrinde hin.
Dieser Arzt machte sich daraufhin im Winter in New York zu Fuß auf den Weg, um irgendwo einen Pfirsischbaum zu finden. Er stellte dann aus der Rinde die homöopathische Arznei her, und die Mutter genas und gebar ein gesundes Kind.
Unsere homöopathische Literatur ist voll solcher Geschichten und Erfahrungen. Francois Benoit Mure - dem wir unser Wissen über Arzneien wie Crotalus cascavella, Elaps corallinus, Hura brasiliensis und viele andere Arzneien verdanken - behandelte einst in Genua eine Cholera-Epidemie. Mit solchem Erfolg, dass sich die Obrigkeit unter dem Einfluss der Ärzteschaft veranlasst sah, sein Wirken fortan zu verbieten. Es ereignete sich daraufhin eine kleine Revolution. Das Volk zog vor das Rathaus und rief "Homöopathie oder Tod." Die örtliche Regierung musste die Nachbarstadt Turin um Militärhilfe bitten, um dem Aufstand Herr zu werden.
Was mich antreibt, ist eine ganz simple Sache: wenn man ernsthaft versucht Homöopathie zu machen, dann sollte man doch alles versammelte Wissen der Homöopathie zur Verfügung haben, um das Bestmögliche für seine Patienten zu erreichen.
In der Realität ist das aber - noch - nicht so.
Sesam ist ein Projekt, dass diesen Traum vielleicht über Jahre und durch die Mitarbeit Vieler annähernd verwirklichen könnte.
Näheres über mich auf meiner Website www.homoeolit.de